In Ostdeutschland Handlungsbedarf

Zukunftsatlas 2025 des Prognos-Instituts weist auf Defizite hin 

Es gibt positive Entwicklungen in einigen Regionen, doch die Mehrheit der Kreise und Städte in den östlichen Bundesländern steht weiterhin vor großen Herausforderungen. 

Das beschreiben die Wirtschaftsforscher des Prognos-Instituts in ihrem aktuellen Zukunftsatlas für die 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte.

Darunter befinden sich noch immer bzw. teilweise wieder mehr als zwei Drittel, konkret 54 der 75 Kreise aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, in den Zukunftsrisiken. 

Als solche werden Herausforderungen und Schwächen gesehen, denen Deutschlands Kreise und Städte in Bezug auf ihre zukünftige Entwicklung und Widerstandsfähigkeit in Transformationsprozessen gegenüberstehen.

Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bleiben weiterhin die Schlusslichter im Ranking. In Sachsen-Anhalt befinden sich 13 von 14 Regionen in den Zukunftsrisiken, und in Mecklenburg-Vorpommern sind es 6 von 8 Regionen, ähnlich wie im Zukunftsatlas 2023. 

In Sachsen zeigen sich größere Herausforderungen, mit vielen Regionen, die Rangplatzverluste verzeichnen und in den Zukunftsrisiken landen. Neben den Landkreisen Bautzen, Leipzig und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge rutscht auch die Stadt Chemnitz in die Zukunftsrisiken ab, sodass jetzt 10 von 13 sächsischen Regionen in diesen Klassen zu finden sind.

Brandenburg zeigt eine erfreuliche Entwicklung, allerdings mit einer deutlichen Zweiteilung. Das östliche Brandenburg hat sich durch Großinvestitionen wie Tesla, den Flughafen Berlin und Strukturfördermittel im Rahmen des Kohleausstiegs stark verbessert.

Die Stadt Leipzig wird als Spitzenreiter der Langfristgewinner hervorgehoben, die den Sprung aus den Risiken in die Zukunftschancen geschafft hat (von Rang 334 im Zukunftsatlas 2004 auf Rang 152 im Zukunftsatlas 2025).

Im Umland von Berlin haben sich die Landkreise Dahme-Spreewald (von Rang 347 auf 165) und Oder-Spree (von Rang 335 auf 156) gut entwickelt. Der benachbarte Landkreis Märkisch-Oderland hat es von den hintersten Rängen (400) ins Mittelfeld (294) geschafft.

Auch die Stadt Berlin zählt zu den Langfristgewinnern (von Rang 262 auf 111).

Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Standortfaktor. Beim Zubau erneuerbarer Energien im Zeitraum 2019 bis 2023 spielt besonders der Norden Deutschlands seine Stärke aus.

Dabei schaffen es Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) und die Uckermark (Brandenburg) mit zusätzlichen Leistungen zwischen 650 und 808 Megawatt in die Top 3 der 400 Kreise. Ostdeutschland ist insgesamt stark heterogen geprägt.

Während Metropolen und einige angrenzende Regionen, oft begünstigt durch Großinvestitionen oder Strukturförderung, signifikante Fortschritte verzeichnen, kämpft ein Großteil der Kreise weiterhin mit Zukunftsrisiken.

Die Kernergebnisse des Zukunftsatlas 2025

  1. Wirtschaft im Sinkflug: Viele Regionen spüren die Krise: Seit 2023 steckt Deutschland in einer Rezession, in zahlreichen Regionen zeichnet sich eine fehlende Dynamik ab. Die Arbeitslosigkeit ist nahezu flächendeckend gestiegen, nur 20 der 400 Kreise und kreisfreien Städte weisen eine niedrigere Arbeitslosenquote auf als im Zukunftsatlas 2022. Auch die Zahl der Beschäftigten wächst nur noch langsam und in 90 der 400 Kreise und Städte ist die Beschäftigung 2024 gegenüber 2021 sogar zurückgegangen. Die aktuelle Rezession ist daher ein Stresstest für die Resilienz von Regionen.
  2. Der Süden baut seine Stärke weiter aus: Bayern und Baden-Württemberg bauen ihre Stärke im Zukunftsatlas 2025 weiter aus. In Baden-Württemberg befinden sich inzwischen 91 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte in den Zukunftschancen, in Bayern über 70 Prozent.
  3. NRW und Brandenburg holen auf: In NRW kann fast die Hälfte der Regionen mindestens zehn Plätze im Ranking gutmachen. Besonders das Ruhrgebiet das Münsterland und das Rheinische Revier stechen positiv hervor. Auch das östliche Brandenburg hat sich stark verbessert durch Großinvestitionen wie Tesla, den Flughafen Berlin und Strukturfördermittel im Rahmen des Kohleausstiegs.
  4. In Hessen, Schleswig-Holstein, Sachsen und im Saarland wachsen die Herausforderungen: In Hessen verschlechtern sich zehn von 26 Kreisen um eine Zukunftsklasse. Auch im Saarland, in Schleswig-Holstein und Sachsen verzeichnen viele Regionen Rangplatzverluste und mehr Regionen landen in den Zukunftsrisiken.
  5. Erneuerbare Energien als Standortfaktor: Sowohl beim Zubau erneuerbarer Energie von 2019 bis 2023 als auch beim Status Quo der bereits installierten Leistung ist besonders der Norden Deutschlands stark. In die Top 3 beim Zubau schaffen es Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und die Uckermark (Brandenburg).
  6. Innovation ist wichtiger Faktor für Transformationsprozesse und Resilienz: Zukunftsstarke, resiliente Regionen in Deutschland zeichnen sich durch eine hohe Innovationskraft aus. Von den zehn Standorten mit dem meisten FuE-Personal in der Wirtschaft sind acht Kreise in den Top 50 des Gesamtrankings. Neben großen deutschen Automobilstandorten wie Wolfsburg, Böblingen und Ingolstadt punkten auch Kreise wie Tuttlingen und Biberach sowie Städte wie Jena und Darmstadt. 

Rückblick auf 20 Jahre Zukunftsatlas

Der Zukunftsatlas macht regionale Entwicklungen seit nunmehr 20 Jahren sichtbar. Doch wer hat seit 2004 die meisten Ränge gutgemacht? Und welche Regionen verzeichnen die größten Rangverluste?

Langfristgewinner: 31 Regionen haben sich innerhalb von zwei Jahrzehnten um mehr als 100 Ränge verbessert.

  • Viele dieser Regionen liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Beide Bundesländer sind wirtschaftlich stark aufgestellt und verfügen über hochentwickelte ländliche Gebiete. Beispiele sind: Dingolfing-Landau, Unterallgäu, Zollernalbkreis, Ostalbkreis
  • Beim Blick in die östlichen Bundesländer ist die positive Entwicklung der Stadt Leipzig besonders hervorzuheben.
  • Auch Berlin und das brandenburgische Umland von Berlin haben sich über die 20 Jahre stark verbessert.

Langfristverlierer: 29 Regionen haben in den letzten 20 Jahren mehr als 100 Ränge verloren. 

  • Viele davon sind im Westen und Nordwesten Deutschlands zu finden. Gerade die Regionen mit traditionell industriellen Wirtschaftsstrukturen (insb. Kohle und Stahl), die in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Strukturwandel erlebt haben, sind davon betroffen, so z. B. Essen und Dortmund im Ruhrgebiet sowie Kaiserlautern, Worms und Trier in Rheinland-Pfalz.
  • In den ostdeutschen Bundesländern haben zwei Drittel der Kreise aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Zukunftsrisiken zu kämpfen.
  • Auch ländliche Kreise in Niedersachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt verzeichnen massive Rangverluste, wie zum Beispiel Goslar, Wolfenbüttel und Helmstedt.

Wie sich die Regionen fit für die Zukunft machen

Struktureller Wandel, Digitalisierung und demografische Veränderungen stellen die Städte und Landkreise vor neue Herausforderungen. Wie der Zukunftsatlas zeigt, hat jede Region Entwicklungsmöglichkeiten: Egal ob in Städten oder ländlichen Regionen – überall gibt es Potenziale, um die regionale Innovationskraft zu stärken und zukunftsfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen. Wichtig ist, dass die Kommunalpolitik die eigenen Stärken erkennt und passende Strategien und Zukunftsprojekte entwickelt.

Quelle: Prognos Zukunftsatlas®, Prognos AG

https://www.prognos.com/de/meldung/der-zukunftsatlas-2025-ist-da

Bessere Bedingungen statt Kaufprämien für E-Mobilität

In diesem Interview bei „Wirtschaft im Osten“ spricht Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD), über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Automobilbranche in Ostdeutschland.

Themen des Interviews:

Ostdeutschlands Vorreiterrolle in der E-Mobilität: Etwa zwei Drittel der in Ostdeutschland gefertigten Autos sind Elektroautos, und es gibt eine starke Mischung aus OEM- und Batterieherstellern. Werke wie VW Zwickau und BMW Leipzig hatten und haben Pionierfunktion.

Aktuelle Krisen und Herausforderungen: Dazu gehören der starke Wettbewerb aus China, die unklare Zollpolitik der USA, ein in Deutschland schrumpfender Heimatmarkt und hohe Energiepreise.

Wandel in der Förderpolitik für E-Mobilität: Katzek plädiert für einen Strategiewechsel weg von Kaufprämien hin zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Infrastruktur in Deutschland effizienter finanzieren

Wettbewerbsgefährdend hohe Steuerquote trifft wettbewerbsgefährdend schlechte Infrastruktur. Ein Großteil öffentlicher Mittel fließe in Subventionen, was Kommunal- und Bundeshaushalte stark belaste. Damit stehe Deutschland vor einem zentralen Paradoxon.

So die Analyse des Vorsitzenden der Ludwig Erhard Stiftung und langjährigen hessischen CDU- Ministerpräsidenten Roland Koch in einem Vortrag bei der Tagung „Zukunft der Infrastrukturentwicklung“ am Dienstag in Leipzig.

Eine Kernfrage sei die „Rentierlichkeit“ öffentlicher Investitionen, die oft politisch, aber nicht wirtschaftlich bestimmt werde. Historische Finanzierungsentscheidungen, etwa bei der Rente, hätten strukturelle Kosten verursacht, die kurzfristig kaum reduzierbar seien.

Entscheidend sei, aus einem Euro öffentlichem Geld möglichst viele Euro zu machen. Dies gelinge besser durch die Kombination von öffentlichen Mitteln mit privatem Management und Finanzierungsstrukturen. Ein Beispiel sei u.a. die Finanzierung von Brückenbauten durch Investmentfonds. Öffentliche Verwaltungen seien für die dazu notwendige Geschwindigkeit aufgrund komplexer Vergaberegeln oft nicht ausgerüstet.

Kochs Rede zeichnete ein ernüchterndes Bild der aktuellen Infrastrukturfinanzierung in Deutschland aufgrund der systemischen Probleme. Aber ein „Weiter so“ sei keine Option. Vielmehr seien unkonventionelle, über das traditionelle staatliche Handeln hinausgehende Lösungen dringend erforderlich.

Die Tagung, in Kooperation mit der SAB Sächsische Aufbaubank – Förderbank, veranstaltete das KOWID, das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e. V., an der Universität Leipzig.

Digitalisierungswirtschaft in Sachsen wächst

Aktuell verzeichne Sachsen rund 80.000 Beschäftigte in der Digitalisierungswirtschaft, erklärte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) in seiner Fachregierungserklärung im sächsischen Landtag am 21. Mai 2025. Einer Prognose zufolge könnten es 100.000 im Jahr 2030 werden.

Gleichzeitig stehe die sächsische Wirtschaft vor erheblichen Herausforderungen durch strukturelle Veränderungen auf globaler Ebene. Hinzu kämen hohe Energiepreise, Bürokratie und Fachkräftemangel. Gleichzeitig verfüge Sachsen über Stärken in Technologie, Innovation und qualifizierten Fachkräften sowie vielversprechende Wachstumsfelder wie die Digitalisierung und die Energiewende. Um diese Herausforderungen zu meistern und die Zukunft Sachsens zu sichern, seien massive Investitionen, die Förderung von Technologie und Innovation, die Stärkung des Mittelstands, die Nutzung von Chancen in neuen Sektoren wie der Rüstung, ein pragmatischer und entschlossener Ausbau der erneuerbaren Energien, Bürokratieabbau und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure in Form einer gemeinsamen Wirtschaftsstrategie erforderlich, erläuterte Panter.

Frühjahrsgutachten: Entwicklung im Osten besser als Wahrnehmung 

„Es besteht eine große Diskrepanz zwischen der subjektiven und der objektiven Wahrnehmung der wirtschaftlichen Entwicklung in der eigenen Region (Bundesregierung, 2024a; Diermeier et al., 2024). Dies gilt insbesondere für Ostdeutschland. So weisen fast alle ostdeutschen Kreise zwischen 2013 und 2023 eine überdurchschnittlich gute Entwicklung sowohl bei der Arbeitslosigkeit als auch bei der Lohnentwicklung auf. Dennoch sind nur 31 % der Befragten mit der Arbeitsmarktentwicklung der letzten 10 Jahre in ihrem Landkreis bzw. ihrer kreisfreien Stadt zufrieden. Damit fällt die Einschätzung etwas negativer aus als in Westdeutschland, wo immerhin 36 % der Befragten zufrieden sind, obwohl die Entwicklung hier mit vielen Regionen mit überdurchschnittlicher, aber auch mit vielen Regionen mit unterdurchschnittlicher Entwicklung deutlich durchwachsener war. Ein Großteil der Menschen in Ostdeutschland nimmt die positive Entwicklung offensichtlich nicht wahr. Gleiches zeigt sich bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Region. So attestieren 70 % der Ostdeutschen ihrer Region eine unterdurchschnittliche Entwicklung, während es in Westdeutschland nur 62 % tun (Diermeier et al., 2024), obwohl auch hier die Entwicklung in fast allen ostdeutschen Regionen überdurchschnittlich war.“

Quelle: Frühjahrsgutachten 2025 – Sachverständigenrat, S. 273

Sachverständigenrat Frühjahrsgutachten 2025: ZWISCHEN HOFFEN UND BANGEN: KONJUNKTURSCHWÄCHE UND CHANCEN DES FINANZPAKETS, BÜROKRATISCHE HEMMNISSE UND STRUKTURWANDEL

  • Deutschland befindet sich weiterhin in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Das BIP dürfte in diesem Jahr stagnieren und im Jahr 2026 um 1,0 % wachsen.
  • Wenn die Mittel aus dem Finanzpaket für zusätzliche Investitionen verwendet werden, steigert dies mittelfristig das Wachstum. Schuldenfinanzierte Konsumausgaben sollten vermieden und institutionelle Vorkehrungen geschaffen werden, die eine investitions orientierte Verwendung der Mittel sicherstellen.
  • Unnötige Bürokratie sollte konsequenter als bislang abgebaut werden, um Unternehmen in großer Breite zu entlasten. Neue Regelungen sollten wirksam, nutzerfreundlich und vollzugstauglich sein, damit sie nicht zu zusätzlicher ineffizienter Bürokratie führen.
  • Der Strukturwandel beschleunigt sich und trifft in Zukunft auch bisher wirtschaftlich starke Regionen. Die laufenden Transformationsprozesse sollten durch Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt und durch gezielte regionale Wirtschaftspolitik sollten Zukunftsperspektiven für besonders betroffene Regionen eröffnet werden.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer ausgeprägten Schwächephase. Bürokratische Anforderungen und lange Genehmigungsverfahren bremsen das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Der Strukturwandel beschleunigt sich und wird in Zukunft Branchen und Regionen erreichen, die bisher wirtschaftsstark waren. Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gefährdet das Wirtschaftswachstum weltweit. Das Finanzpaket bietet Chancen für eine Modernisierung der Infrastruktur und eine Rückkehr auf einen höheren Wachstumspfad.
Der Sachverständigenrat Wirtschaft diskutiert in seinem Frühjahrsgutachten 2025, wie eine investitionsorientierte Verwendung der Mittel aus dem Finanzpaket sichergestellt werden kann. Des Weiteren befasst sich der Rat damit, wie durch konsequenten Abbau überflüssiger Bürokratie Wachstumshemmnisse beseitigt werden können und wie Deutschland die regional unterschiedlichen Auswirkungen des Strukturwandels bewältigen kann.

„Die deutsche Wirtschaft wird in nächster Zeit maßgeblich von zwei Faktoren beeinflusst: der US-amerikanischen Zollpolitik und dem Finanzpaket“, erläutert Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft. Die US-Zollpolitik belastet die ohnehin schwache deutsche Exportwirtschaft zusätzlich. Die deutschen Exporte dürften mit den sprunghaft und unberechenbar steigenden Zöllen noch weiter zurückgehen. Ab dem Jahr 2026 werden die durch das Finanzpaket bereitgestellten Mittel positive Impulse für Bau- und Ausrüstungsinvestitionen sowie den Staatskonsum setzen. Der private Konsum dürfte im Vergleich zu 2025 etwas stärker wachsen, da die verfügbaren Einkommen preisbereinigt stärker zunehmen. Der Sachverständigenrat Wirtschaft erwartet, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland in diesem Jahr stagniert (das entspricht einem Wachstum von 0,0 Prozent) und im Jahr 2026 um 1,0 Prozent steigt.

Die Verbraucherpreisinflation dürfte im Jahr 2025 durchschnittlich 2,1 Prozent betragen und im Jahr 2026 auf 2,0 Prozent leicht zurückgehen. „Die Märkte erwarten zwar Zinssenkungen, allerdings ist die Preisentwicklung aktuell besonders unsicher. So ist etwa ungewiss, ob die aktuellen Handelskonflikte die Inflation antreiben oder dämpfen. Auch eine expansive Fiskalpolitik in Deutschland könnte die Inflationserwartungen erhöhen und damit eine straffere Geldpolitik der EZB begünstigen“, erklärt Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft.

Chancen des Finanzpakets nutzen, Risiken vermeiden

Mit dem Finanzpaket sind Chancen verbunden, wenn die Mittel daraus überwiegend investitionsorientiert verwendet werden. So könnten versäumte Investitionen nachgeholt werden und Deutschland wieder auf einen Wachstumspfad gelangen. Verschiebungen aus dem Kernhaushalt sowie die Finanzierung bereits geplanter Investitionen sollten durch institutionelle Vorkehrungen vermieden werden. Für die Verteidigungsausgaben sieht das geänderte Grundgesetz einen Schwellenwert von 1 Prozent des BIP vor, ab dem Ausgaben außerhalb der Schuldenbremse kreditfinanziert werden können. Dieser Schwellenwert ist jedoch zu niedrig, da aus dem Kernhaushalt zuletzt deutlich mehr als 1 Prozent des BIP für Verteidigung ausgegeben wurde. Eine Mindestquote für Verteidigungsausgaben im Kernhaushalt in Höhe von mindestens 2 Prozent des BIP sollte gesetzlich verankert werden.
Beim Sondervermögen Infrastruktur sollte eine Investitionsquote in Höhe von mindestens 10 Prozent des Kernhaushalts in das Errichtungsgesetz aufgenommen werden. Angemessene Investitionsquoten sollten auch für die Zuweisungen aus dem Sondervermögen an den Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie an die Länder definiert werden.

Die Kompatibilität des Finanzpakets mit den EU-Fiskalregeln unterliegt hoher Unsicherheit. Realistischerweise kann sie nur mit einer starken Investitionsorientierung und begleitenden Strukturreformen erreicht werden. Eine starke Konsumorientierung der Ausgaben gefährdet die Vereinbarkeit mit den EU-Fiskalregeln und erhöht die Schuldenstandsquote deutlich stärker.

Bürokratieabbau beschleunigen, Verwaltung modernisieren

Der Abbau von Bürokratie in Deutschland muss beschleunigt werden. Trotz zahlreicher politischer Initiativen sind die Belastungen der Unternehmen mit Bürokratiekosten bisher nicht spürbar zurückgegangen. Für einen wirksamen Bürokratieabbau sind systematische Anpassungen notwendig, die Unternehmen in großer Breite entlasten. Dafür sollten verschiedene Prozesse gleichzeitig angestoßen werden: Abbau und (Teil-)Automatisierung von Informationspflichten, Beschleunigung von Antrags- und Genehmigungsverfahren, Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sowie der Aufbau eines bundesweit einheitlichen E-Government-Portals. Neue Regelungen sollten wirksam, nutzerfreundlich und vollzugstauglich sein, damit sie nicht zu zusätzlicher ineffizienter Bürokratie führen.

Strukturwandel begleiten, Zukunftsperspektive entwickeln

Der Strukturwandel in Deutschland wird künftig auch Regionen erreichen, die bislang strukturbeständig und wirtschaftlich stabil waren. Besonders betroffen werden dabei Regionen mit einer hohen Spezialisierung auf das wissensintensive Verarbeitende Gewerbe wie die Automobilbranche oder die chemische Industrie sein. Die Wirtschaftspolitik sollte die Anpassung durch allgemeine wachstumsfördernde und regionalspezifische Maßnahmen unterstützen, die Zukunftsperspektiven für besonders betroffene Regionen entwickeln. Spezifische Fördermaßnahmen sollten sich auf Regionen konzentrieren, die kurzfristig von hoher Arbeitslosigkeit betroffen sein könnten. Dazu gehören eine Förderung von beruflichen Weiterbildungsangeboten oder Umschulungen, um den Wechsel in neue berufliche Tätigkeiten zu unterstützen und attraktiv zu machen.

Quelle: sachverstaendigenrat-wirtschaft.de https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fruehjahrsgutachten-2025-pressemitteilung.htmlhttps://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fruehjahrsgutachten-2025-pressemitteilung.html https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fruehjahrsgutachten-2025-pressemitteilung.html