Jedes vierte Elektroauto, das in Europa montiert werde, komme aus Sachsen. Das sei ein Pfund, mit dem man wuchern könne und – „deswegen sage ich es auch explizit nochmal – das ist auch was, um das wir kämpfen werden.“ Das sagte Sachsens Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Kralinski bei der Jahreskonferenz der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland in Zwickau.
Der Weg sei durchaus steinig, aber man wolle ihn mit den Unternehmen und den Beschäftigten zusammen gehen. Gleichzeitig müsse man beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze, sowie beim Ausbau der Lademöglichkeiten vorankommen. Dazu gehöre es auch, die Chip-Industrie weiterhin zu unterstützen.
Die Jahreskonferenz der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland fand am 24. Juni 2025 in Zwickau statt. Thema: „Kohleausstieg, automobile Zukunft und grüne Chemie: Wo stehen wir beim Strukturwandel in Mitteldeutschland?“.
In diesem Interview bei „Wirtschaft im Osten“ spricht Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD), über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Automobilbranche in Ostdeutschland.
Themen des Interviews:
Ostdeutschlands Vorreiterrolle in der E-Mobilität: Etwa zwei Drittel der in Ostdeutschland gefertigten Autos sind Elektroautos, und es gibt eine starke Mischung aus OEM- und Batterieherstellern. Werke wie VW Zwickau und BMW Leipzig hatten und haben Pionierfunktion.
Aktuelle Krisen und Herausforderungen: Dazu gehören der starke Wettbewerb aus China, die unklare Zollpolitik der USA, ein in Deutschland schrumpfender Heimatmarkt und hohe Energiepreise.
Wandel in der Förderpolitik für E-Mobilität: Katzek plädiert für einen Strategiewechsel weg von Kaufprämien hin zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Wettbewerbsgefährdend hohe Steuerquote trifft wettbewerbsgefährdend schlechte Infrastruktur. Ein Großteil öffentlicher Mittel fließe in Subventionen, was Kommunal- und Bundeshaushalte stark belaste. Damit stehe Deutschland vor einem zentralen Paradoxon.
So die Analyse des Vorsitzenden der Ludwig Erhard Stiftung und langjährigen hessischen CDU- Ministerpräsidenten Roland Koch in einem Vortrag bei der Tagung „Zukunft der Infrastrukturentwicklung“ am Dienstag in Leipzig.
Eine Kernfrage sei die „Rentierlichkeit“ öffentlicher Investitionen, die oft politisch, aber nicht wirtschaftlich bestimmt werde. Historische Finanzierungsentscheidungen, etwa bei der Rente, hätten strukturelle Kosten verursacht, die kurzfristig kaum reduzierbar seien.
Entscheidend sei, aus einem Euro öffentlichem Geld möglichst viele Euro zu machen. Dies gelinge besser durch die Kombination von öffentlichen Mitteln mit privatem Management und Finanzierungsstrukturen. Ein Beispiel sei u.a. die Finanzierung von Brückenbauten durch Investmentfonds. Öffentliche Verwaltungen seien für die dazu notwendige Geschwindigkeit aufgrund komplexer Vergaberegeln oft nicht ausgerüstet.
Kochs Rede zeichnete ein ernüchterndes Bild der aktuellen Infrastrukturfinanzierung in Deutschland aufgrund der systemischen Probleme. Aber ein „Weiter so“ sei keine Option. Vielmehr seien unkonventionelle, über das traditionelle staatliche Handeln hinausgehende Lösungen dringend erforderlich.
Die Tagung, in Kooperation mit der SAB Sächsische Aufbaubank – Förderbank, veranstaltete das KOWID, das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e. V., an der Universität Leipzig.
Aktuell verzeichne Sachsen rund 80.000 Beschäftigte in der Digitalisierungswirtschaft, erklärte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) in seiner Fachregierungserklärung im sächsischen Landtag am 21. Mai 2025. Einer Prognose zufolge könnten es 100.000 im Jahr 2030 werden.
Gleichzeitig stehe die sächsische Wirtschaft vor erheblichen Herausforderungen durch strukturelle Veränderungen auf globaler Ebene. Hinzu kämen hohe Energiepreise, Bürokratie und Fachkräftemangel. Gleichzeitig verfüge Sachsen über Stärken in Technologie, Innovation und qualifizierten Fachkräften sowie vielversprechende Wachstumsfelder wie die Digitalisierung und die Energiewende. Um diese Herausforderungen zu meistern und die Zukunft Sachsens zu sichern, seien massive Investitionen, die Förderung von Technologie und Innovation, die Stärkung des Mittelstands, die Nutzung von Chancen in neuen Sektoren wie der Rüstung, ein pragmatischer und entschlossener Ausbau der erneuerbaren Energien, Bürokratieabbau und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure in Form einer gemeinsamen Wirtschaftsstrategie erforderlich, erläuterte Panter.
„Es besteht eine große Diskrepanz zwischen der subjektiven und der objektiven Wahrnehmung der wirtschaftlichen Entwicklung in der eigenen Region (Bundesregierung, 2024a; Diermeier et al., 2024). Dies gilt insbesondere für Ostdeutschland. So weisen fast alle ostdeutschen Kreise zwischen 2013 und 2023 eine überdurchschnittlich gute Entwicklung sowohl bei der Arbeitslosigkeit als auch bei der Lohnentwicklung auf. Dennoch sind nur 31 % der Befragten mit der Arbeitsmarktentwicklung der letzten 10 Jahre in ihrem Landkreis bzw. ihrer kreisfreien Stadt zufrieden. Damit fällt die Einschätzung etwas negativer aus als in Westdeutschland, wo immerhin 36 % der Befragten zufrieden sind, obwohl die Entwicklung hier mit vielen Regionen mit überdurchschnittlicher, aber auch mit vielen Regionen mit unterdurchschnittlicher Entwicklung deutlich durchwachsener war. Ein Großteil der Menschen in Ostdeutschland nimmt die positive Entwicklung offensichtlich nicht wahr. Gleiches zeigt sich bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Region. So attestieren 70 % der Ostdeutschen ihrer Region eine unterdurchschnittliche Entwicklung, während es in Westdeutschland nur 62 % tun (Diermeier et al., 2024), obwohl auch hier die Entwicklung in fast allen ostdeutschen Regionen überdurchschnittlich war.“
Quelle: Frühjahrsgutachten 2025 – Sachverständigenrat, S. 273
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