
Fehlende Wertschätzung für Unternehmertum, negatives Kapitalismusbild und ausgeprägte Bildungslücken, das diagnostiziert der Präsident des Unternehmer-verbandes Sachsen, Dietrich Enk, im Podcast-Gespräch mit „Wirtschaft im Osten“.
Unternehmertum als Basis der Gesellschaft werde nur unzureichend verstanden. Er selbst mache oft die Erfahrung, dass Unternehmertum abgelehnt oder gar unter Verdacht gestellt werde, insbesondere bei Behörden. Das sei ein Kernproblem. Der Leipziger Unternehmer Enk halte dies auch für eine Sozialisationsfrage, und wie unsere Wohlstandsgesellschaft auf Unternehmertum blicke. Gerade im Kontakt mit Behörden komme man da schnell zu Verständnisproblemen.
Die Lage der kleinen und mittleren Unternehmen in Sachsen und Ostdeutschland ist nach Einschätzung des Verbandspräsidenten auf einem Tiefpunkt angelangt. Lieferkettenprobleme, gestiegene Energiepreise und eine schwache Auftragslage träfen gleichzeitig aufeinander.
Mit der aktuellen Politik geht Enk hart ins Gericht. Die Kosten der Arbeit, insbesondere für den Mittelstand und die KMUs, seien ausgeartet, müssten mindestens um 30 % gesenkt werden. Viele Unternehmer würden eine Politik wahrnehmen, die zum Selbstzweck geworden sei, sich nur um sich selbst drehe
und die Bedürfnisse der Unternehmen verkenne. Das halte er für ein regelrechtes Kulturproblem.
Um als Wirtschaftsnation wieder zukunftsfähig zu werden, müssten althergebrachte Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen auf den Prüfstand, wenn sie zum Selbstzweck verkommen seien.
Man müsse Dinge eher auf Zeit betrachten. Investitionen in einem Unternehmen mache man ja auch mit dem Ziel, in einigen Jahren etwas zu erreichen, und sich nichts ans Bein zu binden, was einen Jahrzehnte blockiere.
Damit hätten die Deutschen, so Enk, ein totales Thema, flexibler zu sein und auch etwas selbstloser. Schließlich sei er vor fast dreißig Jahren Unternehmer geworden mit Gedanken an Freiheit und Marktwirtschaft.
Ein unerwartet offenes Gespräch über Grundsatzfragen von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Foto Dietrich Enk: © Raphael Heimann